Bildkritik: Mit mir selbst…

Bildkritik 4Man kann in der Fotografie sehr viel durch Tutorials oder Bücher lernen, zumindest die Theorie. In der Praxis sieht das leider meist anders aus und das ist auch irgendwie gut so. Nur durch Fotografieren lernt man wirklich etwas. Für die Praxis aus der Praxis! In diesem Blogpost möchte ich eigene Bilder „besprechen“ und zwar solche, die aus meiner Sicht nicht OK geworden sind. Zwar nicht vollkommen versaut, aber „irgendwie nicht OK“.

D. h. hier gibt es (ausnahmsweise) mal Bilder von mir zu sehen, die ich sonst nicht an die Öffentlichkeit geben würde. Um die Punkte klar zu machen, die mir nicht gefallen habe ich diese markiert und gehe nun darauf ein. Das ist natürlich immer Geschmacksache, mancher wird mehr Bilder aus meinem Portfolio misslungen finden, manche haben an den hier gezeigten Bildern villeicht noch viel mehr auszusetzen. Dabei gibt es ein paar Grundsätze die man berücksichtigen kann: (Führende) Linien, Farben, Muster und die Drittelregel. D. h. man kann das Bild mit Linien aufbauen, sollte darauf achten, dass Farben zusammen passen und die Muster stimmen. Es darf nicht zu unruhig werden, das Motiv (in diesem Fall: Die Modelle) soll im Vordergrund stehen, nicht irgendetwas drum herum. Aber legen wir einfach mal los:

Hier ein garnicht so altes Bild von Marc. Diese Treppe ganz in der Nähe des Mainzer Hauptbahnhofes hatte es mir schon länger angetan. Wieso, weshalb, warum? Kann ich schwer sagen… Aber ich war froh, dass Marc Zeit und Lust hatte sich fotografieren zu lassen und ich somit auch die Treppe als Location testen konnte.

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Persönlich finde ich das Bild zu durcheinander. Das Geländer ist mir zu dominant und bringt viel Unruhe ins Bild. Wäre das Geländer vielleicht nur im Vordergrund, wäre es noch OK, insgesamt sind es mir aber so zu viele Linien. Dabei finde ich, dass die Farbe gut  Auch die oberen Treppenstufen stören mich. Ich habe ihn direkt darunter platziert, was sicher nicht ideal aussieht. Die Treppenstufen sind einfach nicht harmonisch.Bildkritik 4

Bild Nummer Zwei ist bei meinem allerersten Portraitshooting entstanden. Hier ärgere ich mich besonders, dass es nicht so super geworden ist, wie es sein könnte. Die Farben passen toll, wie ich finde. Grün und Braun im Hintergrund passen gut zu Hemd und Jeans. Und Jans Blick ist über jeden Zweifel erhaben.

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Aber verdammt nochmal, warum sind die Füße abgeschnitten? Was hat mich denn da geritten? Und es hat wieder zu viele Linien, wie ich finde. Irgendwie harmonieren die Linien von Beinen, Armen und dem Geländer nicht. Das Bild wirkt irgendwie schief, es kippt und sieht einfach nicht harmonisch aus. Klar: Zu viele Linien, die den Blick verwirren.Bildkritik 1

Auch dieses Bild von Lisa ist aus einem meiner ersten Shootings. Ich war froh, dass wir in diese Halle gekommen sind und habe dennoch nicht das Optimum rausgeholt.

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Das Einzige, was mir an diesem Bild gefällt ist die Idee… Leider ist hier viel schief gegangen. Zum einen ist mir der dunkle Bereich vom Dach zu dominant und zu dunkel. Hier hätte vielleicht etwas mehr Struktur gut getan. Aber so rein schwarz ists doof. Zusammen mit den weißen Stützen passt das einfach nicht. Der Schatten knickt weg > Suboptimal. Dieser Müll im Vordergrund gehört da auch nicht hin, was für ein Fleck das ist, will man eigentlich garnicht wissen.

Und es ist schlicht eine ungünstige Perspektive. Ich hatte das 10-22mm Objektiv genutzt, weil ich dachte es wäre dramatischer. Nein, ist es nicht! Es macht nur irgendwie eine übergroße Hüfte und die Proportionen passen nicht. Vielleicht wäre es cleverer gewesen noch weiter runter zu gehen mit der Kamera, aber später ist man ja immer schlauer… Außerdem steht Lisa mittem im Bild, auch nicht gerade optimal. Besser: Der goldene Schnitt!Bildkritik 2

Zum Schluss ein Foto von Dennis, das am späten Abend entstanden ist. Gerade in kleiner Auflösung ist fast nicht zu erkennen, was da nicht stimmt.

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Aber bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass der Fokus auf dem (aus Sicht des Betrachters) auf dem linken Auge liegt. Dieses Auge ist vom Betrachter weiter entfernt. Deswegehen sieht es komisch aus. Und es ärgert mich ungemein, wenn man ein fast gutes Bild sieht und dann dennoch solche Unzulänglichkeiten auftauchen. Argh!Bildkritik 3

Es sind also (Wiederholung) immer die gleichen oder zumindest die ähnlichen Parameter mit denen man ein Bild (zumindest technisch) einordnen kann: Linien, Muster, Schnitt, Farben, der Bildaufbau insgesamt. Bei Regeln zum Bildaufbau ist man eben auch von der Locaton abhängig und muss dann eben durch Wahl des richtigen Objektives, Bildausschnitts und -winkel schauen was wirkt und funktioniert. Technische Fehler wie z. B. falscher Fokus oder zu lange Belichtung spielen natürlich auch eine Rolle. Allerdings sollte man im Stande sein diese durch Können und Wissen vollkommen auszuschalten.  Also einfach: Fotografieren, Fotografieren, Fotografieren! Nur durch ausreichend Praxis entwickelt man sich weiter. Mit jedem Bild entwickelt man sich weiter, so zumindest meine Ansicht.

Nach einem Shooting denke ich mir meistens: „Wieder was gelernt.“ Und ich glaube das werde ich bei jedem Shooting sagen, für immer.

Ein Gedanke zu „Bildkritik: Mit mir selbst…

  1. Foto UNICO

    Sehr schöne Selbstkritik, interessante Ansätze!
    Ich persönlich habe oft das Problem dass ich derartige Sachen erst Wochen später (wenn die Faszination vom eigenen Bild schon verschwommen ist) sehe und begreife.
    Daher tummel ich mich oft in Fotografie Foren wie dem Hobby Foto Forum (www.foto-forum.at) herum, denn andere sehen eben doch mehr als einer alleine.

    Grüße, Foto UNICO

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