Ein paar Worte zur Hochzeitsfotografie

Die RingeImmer wieder stolpere ich in Facebook-Gruppen, Foren oder sonstigen Diskussionsplattformen auf Fragen wie „Ich wurde von einer Bekannten gefragt, ob ich auf ihrer Hochzeit Fotografieren könnte. Was muss ich beachten? Was brauche ich für Equipment?“ Die anschließenden Kommentare sind fast immer spannend, interessant oder geradezu belustigend. Nicht selten endet die Diskussion in der Aussage, dass man ohne zwei Vollformatkameras mit entsprechenden Linsenpark das garnicht machen kann. Totaler Quatsch und ich frage mich oft ob manche Fotokollegen nichts besseres zu tun haben, als solche Anfragen nieder zu machen und immer arrogant den vermeintlichen Vollprofi raushängen zu lassen.Auf der anderen Seite ist die simple Frage „Was muss ich beim Fotografieren auf einer Hochzeit beachten?“ auch eeetwas zu knapp gestellt. Was erwartet der Fragesteller für Antworten? „Pass auf, dass du nicht über das Brautkleid stolperst!“ oder „Auf keinen Fall hinter den Altar!“ Das muss ich auch immer wieder potenziellen Kunden klarmachen: Man sollte sich etwas mehr mit der Materie beschäftigen und wissen, was man will (und auf Seite des Fotografen: Was man kann!). Es ist natürlich ein riesiger Unterschied, ob ich nur ein paar Fotos des Paares nach der Zeremonie für die Dankeskarten machen soll oder eine Reportage über den ganzen Tag ablichte.

Ehre und Bürde

Im StandesamtEgal ob ich auf freundschaftlicher Basis als Gast meine Kamera mitnehme oder für weit über 1.000 Euro ein Paar viele Stunden an dem Tag begleite: Es ist ein wichtiges Ereignis, ja für die meisten DER Tag in ihrem Leben. Den zu Fotografieren ist Ehre und Bürde zugleich. Wenn man es vergeigt, hat man es vergeigt. Den Hochzeitskuss nachstellen geht nicht, die Ringe werden vor dem Pfarrer nur einmal angesteckt und der Brautstrauß fliegt auch nur einmal in die Menge. Eine Hochzeit zu Fotografieren ist eine verdammt große Aufgabe, darüber sollte man sich im Klaren sein. Aber es ist auch eine Ehre! Die Hochzeitstorte ist irgendwann aufgetaut und gegessen, die Location verlässt man noch am selben Abend bzw. dem Morgen danach und das Brautkleid landet nicht selten im Keller. Aber die Bilder halten die Erinnerung an diesen Tag fest. Die Fotos stehen auf dem Nachttisch des Paares oder der Eltern. Erinnerungen an den schönsten Tag im Leben, die wir als Fotografen konservieren.

Geld ändert (fast) alles

Wenn wir bei dem oben genannten Beispiel bleiben und ein Hochzeitspaar fragt einen befreundeten, ambtionierten Hobbyfotografen, ob er deren Hochzeit fotografiert stellt sich vielleicht auch die Frage nach dem Geld. Der Fotograf muss sich aber auch entscheiden: Wenn er den Tag umfassend dokumentieren will, ist nicht viel mit Feiern. Schön ist es, wenn das Paar die Arbeit würdigt und eine monetäre Aufmerksamkeit anbietet. Der Fotograf wiederrum kann sich überlegen, ob er seine Dienstleistung nicht als Geschenk anbietet, denn die Erinnerungen (vielleicht im Fotobuch festgehalten) sind ein super Präsent. Aber der Hobbyfotograf sollte deutlich klarstellen, dass er keinen Profi ersetzt, er sollte das Paar über seinen Erfahrungsschatz informieren und transparent darstellen, was er leisten kann und was eben nicht. So können Missverständnisse von Vornherein vermieden werden. Wenn ich ein Business in der Hochzeitsfotografie aufbauen will, sind Freundschaftsdienste eine sehr gute Möglichkeit ein Portfolio aufzubauen und Erfahrungen zu sammeln (was selbstverständlich kommuniziert gehört!). Hier sind wir wieder bei der eingangs erwähnten Forenfrage: Irgendwann fängt man immer an. Jeder hat mal seine erste Hochzeit fotografiert ohne so recht zu wissen, was ihn genau erwartet. Deswegen sind Aussagen zum benötigten Equipment wirklich Quatsch: Wenn ich einsteigen will, nehme ich eben die Ausrüstung, die ich habe. Mit einer teuren Kamera werden meine Bilder nicht automatisch besser!

Was ist aber, wenn z. B. Freunde mich als Fotografen empfehlen und ich keinerlei Beziehung zu Das Paardem Paar habe, deren Hochzeit ich fotografieren soll? Dann stellt sich natürlich die Frage nach der Entlohnung. Will ich ein Portfolio aufbauen und Erfahrungen sammeln, kann ich einen Sonderpreis anbieten um Nutzungsrechte zu behalten. Zwei Punkte, die mir wichtig sind: Zum Ersten: Bei Kunden fehlt zunächst die persönliche Beziehung zum Paar, die Einiges einfacher und schlicht lockerer macht. Zum Zweiten: Wenn ich Geld für meine Dienstleistung kassiere muss ich Ergebnisse liefern und das kann deutlichen Druck aufbauen (das ganze steuerliche Gedönse jetzt mal außen vor gelassen). Was sage ich, wenn das Paar mit dem Ergebnis unzufrieden ist? Wie verhalte ich mich in der Kirche, wenn die Bedinungen zum Fotografieren miserabel sind? Damit muss ich als Fotograf umgehen können und ruhig bleiben. Und ich muss meine Arbeit machen.

Was hoffentlich nach der ersten Hochzeit klar wird: Es ist Arbeit! Man muss sich vorbereiten: Mit dem Pfarrer sprechen, wo man herumlaufen darf, Locations für das Brautpaarshooting sichten, Equipment packen, nicht selten relativ lange anreisen und man sollte auch ein Vorgespräch mit dem Paar führen. Man ist für eine Reportage nicht selten länger als 12 Stunden auf den Beinen, man muss für das Gruppenfoto Entertainer und Dirigent in einer Person sein, man muss schnell und spontan sein, wenn die Rede des Vaters doch etwas vorgezogen wird o. Ä. Die Nachbearbeitung darf nicht fehlen, da gehen viele, viele Stunden drauf. Soll es noch ein Fotobuch und/oder eine Diashow sein: Nochmal ein paar Stunden draufpacken. Wer das Alles noch für Freunde von Freunden oder sonstwen zum Taschengeldtarif machen will, zieht nicht nur den Hass der Profis auf sich, sondern merkt hoffentlich recht schnell: Es lohnt sich nicht! Ich bin heilfroh, dass ich Hochzeiten nur im Team mit Dominik Klepper mache: Wir haben die Aufgaben klar verteilt. So übernimmt Dominik bei der Feier gerne die Fotobox und fotografiert jeden Gast mit ausgefallenen Accesoires, druckt die Bilder aus und lässt sie mit Gruß in das Gästebuch kleben. Ich fotografiere währenddessen die Feier und sammele Momente. Beim Brautpaarshooting assistieren wir uns gegenseitig. In der Kirche ist er eher der Sniper, ich der mit dem Weitwinkel, weiterer Vorteil in der Kirche: Wir müssen uns nicht viel bewegen und stören die Zeremonie wenn überhaupt nur minimal.

Fazit

Hochzeitsfotografie ist Arbeit, eine große Aufgabe aber auch eine große Ehre. Wenn man als Anfänger einsteigen will, sollte man das deutlich kommunzieren und klarmachen, was man leisten kann und was nicht. Meine Erfahrung: Wenn man gute Arbeit abliefert kommen Folgeaufträge quasi automatisch und dann muss man sich überlegen, ob man damit Geld verdienen möchte und was die eigene Arbeit wert ist. Dann steht einem Einstieg in die Hochzeitsfotografie eigentlich Nichts mehr im Wege. Fernab von Foren- oder Facebookdiskussionen: Macht das, was IHR für richtig haltet, hört auf euer Herz und bleibt an dem Tag der Tage cool, dann werden sicher ein paar schöne Bilder rumkommen, die Jahre oder Jahrzehnte überdauern werden.

 

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