Facebook? Nein! Ja? Vielleicht…

Ein paar Ansätze hatte ich schon mal gestartet einen Blogpost vor allem über meine Facebookseite zu schreiben. Kurz erwähnt hatte ich sie in meinem letzten Rück- und Ausblick zu 2017, der leider dem Hack zum Opfer gefallen ist. An und für sich ist das gut, denn ich habe meine Meinung geändert. Ich werde die Seite nicht löschen.

Ursprünglich wollte ich die Seite aus zwei Gründen löschen:

  1. Mir geht die Fotoszene auf Facebook gehörig auf den Zeiger
  2. Ich dachte ich könnte mir nicht mehr die Zeit nehmen das ordentlich zu betreiben

Fangen wir mit 2. an: Im Grunde nehme ich mir auch nicht die Zeit das ordentlich zu betreiben. Ich poste auf Facebook etwas, wenn ich was zum Vorzeigen habe. Manchmal habe ich auch etwas und poste es nicht. Das ist sicher nicht die Taktik, die so mancher Social-Media Guru predigt, aber das ist mir egal. Ich versuche hohe Ansprüche an mich selbst zu stellen. Wenn ich auf das Fotogeschäft angesprochen werde, predige ich immer: Konzentriere dich auf deine Kernkompetenz. Das gilt im Grunde nicht nur fürs Fotografieren (führt aber jetzt zu weit). Aber wenn ich so manche Webseiten von Fotografen sehe, die Portraits aller couleur, Landschaften und Makros und Hochzeiten und Kleinkinder auf der Webseite haben, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Ich bin fest davon überzeugt, dass man so langfristig nicht erfolgreich sein kann. Der Kniff bei der Fotografie ist, dass es jeder machen kann, Fluch und Segen, andere mögen das auch über mich denken. Das schöne daran ist: Ich bin nicht darauf angewiesen, ich habe einen Hauptjob in dem ich glücklich bin. Aber ich habe Spass am Fotografieren! Deshalb probiere ich viel aus, mache, worauf ich Bock habe und haue Bilder in den Papierkorb, wenn sie nix geworden sind. Und dennoch: Gebucht werden möchte ich vor allem für Reportagen. Für die Hochzeitsreportragen haben wir eine eigene Marke, Kernkompetenz und so. Deswegen sind auch nur Reportagen hier auf der Seite.

Vielleicht hat der ein oder die andere mitbekommen, dass ich zum 1.3. einen neuen Job angetreten habe. Es war schwer abzuschätzen, wie sehr mich dieser zeitlich belastet und das ist es immer noch ein bisschen. Aber fotografieren werde ich weiterhin und stehe auch für Anfragen zur Verfügung. Im Grunde liegt es nur an guter Organisation. Also: Ich fotografiere weiter und Facebook ist eine gute Möglichkeit die Bilder zu verbreiten. Tumblr, Flickr o. Ä. waren auch eine Überlegung, aber es wäre ineffizient mir da eine Seite aufzubauen nur um doch wieder Bilder zu Veröffentlichen. Und man muss es mit der Kernkompetenz auf Facebook nicht so eng sehen, finde ich.

Aber zu 2.: Facebook geht mir auf den Sack! Man postet ein paar Tage nichts und bekommt eine doofe Erinnerung, dass man doch mal wieder was posten sollte. Man wird angepingt, weil man doch bitte 10 Euro in einen Beitrag stecken sollte um mehr Leute zu erreichen. Man sieht die eigene Anzeige und soll doch bitte Geld an Facebook zahlen, damit die Fanbase größer wird. Manche Fotokollegen jammern über mangelnde Reichweite. Ich kenne die Ansprüche nicht, aber ich kann mich nicht beschweren, obwohl nicht definitiv nicht nach Lehrbuch poste.

Über Facebook kommt allerdings kein Geschäft. Ein paar typische Anfragen habe ich hier. Abgesehen mal davon, dass sie unpräzise sind, kam nie irgendein Auftrag dabei rum. Ich antworte ausführlich, frage nach, biete ein Telefonat an: Nichts! Und ich behaupte: Das liegt an Facebook. Man hat eben im Bus mal schnell gefragt, was das denn so kostet. Ich komme nie direkt mit einer Zahl raus, sondern will erstmal wissen: Passt das überhaupt? Was stellt sich der potenzielle Kunde sich vor? Das ist komplizierter als mancher, der für 50 Euro 20 Portraits anbietet, aber so mache ich das eben. Anfragen zu Reportagen in Unternehmen kommen eh nicht über Facebook rein. Mail oder Telefon sind hier die Kommunikationswege.

Aber Facebook geht mir aus einem anderen Grund auf den Sack. Die Art und Weise der Kommunikation vieler Fotokollegen empfinde ich als grausam, unehrlich und nervig. Man buhlt um Kommentare:

  • „Welche Bearbeitung gefällt euch besser?“
  • „Farbe oder s/w?“
  • „Was habt ihr heute gemacht?“

Ich behaupte einfach mal: Das interessiert doch nicht wirklich jemanden. Es geht darum Interaktion zu steigern und die Reichweite zu erhöhen. Natürlich können aus Fans auch Kunden werden, aber wie weit möchte man dafür gehen? Krampfhaft jeden Tag 5 Posts raushauen und wenn es nur die Müslischale vom Frühstück ist? Muss ich alles aus meinem Alltag, aus meinem Familienleben, inkl. persönlicher, schwerer Schicksale teilen um die Facebook-Timeline voll zu machen? Für mich habe ich entschieden: Nein! Es interessiert keine Sau, ob ich gerade im Bus, im Fitnessstudio oder in der Business-Lounge sitze. Meine Facebook-Posts sollen auch nicht sagen: „Hey, das Fotografenleben ist so fancy, werdet bitte alle sofort neidisch.“ Denn: Es ist nicht fancy! Es gibt schöne Momente, die ich nicht missen möchte, man trifft ultranette Leute, kommt vielleicht an Orte an die nicht jeder kommt, aber es ist Arbeit und manchmal trifft man auch doofe Leute. Vieles Besondere wird irgendwann normal. Außerdem gibt es immer irgendwen, der noch cooler ist, noch teureres Zeug hat oder noch weiter weg geflogen ist. Es ist nicht mein Stil in andere Leute auf irgendeine Art und Weise neidisch machen zu wollen. Vielleicht bin ich auf Facebook damit falsch, vielleicht passt die Fotoszene auf Facebook nicht zu mir. Aber über Facebook kann ich Bilder verbreiten und das ist ganz OK.

Also Facebook ist nicht alles, war es nie und wird es nie sein. Man kommt auch ohne Facebook an Aufträge und das ist mir deutlich lieber, als den nächsten Workshop anzupreisen, Presets zu verscherbeln oder sonst irgendeinem Verkaufstrend der Fotoszene hinterher zu laufen. Ich will Fotos machen, für mich und für andere. Wenn andere mir dafür Geld geben, mache ich Fotos für sie. Nicht viel mehr, nicht viel weniger.

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