Meine Backupstrategie

Time-MachineEs ist eines dieser Themen, das in Fotografenkreisen durchaus als „speziell“ angesehen werden kann. Baba aus meinem favorisierten Foto-Podcast 50Nifty beendet jede Folge mit der Aufforderung „Leute, macht Backups!“ Ich habe nachgefragt, warum er das sagt: „Ich habe 2008 die Fotografie für mich entdeckt und nach und nach sammelten sich einige Gigabyte Bilder an. Ich habe fein meine JPGs (damals), ab 2010 die RAWs Dateien auf einer Festplatte gespeichert. Also gab es seit 2008 an nur die externe 1 TB Festplatte, wo alle meine Bilder drauf lagen.

2011 mitten beim Arbeiten stürzte meine Windows Kiste (mittlerweile zweit Rechner) ab und da hang die Festplatte dran und bei dem Absturz ging die Festplatte kaputt und ich konnte gerade mal knapp 30% der Daten wieder retten. Tja seit da bin ich ein gebrandmarktes Kind und habe mir eine, für mich vernünftige, Backuplösung konstruiert und weise JEDEN darauf hin.“

Ich sage immer, dass man erst merkt, wie wichtig ein Backup ist, wenn es schon zu spät ist… Der Wunsch nach einem NAS schlummerte schon lange in mir, GAS (gear acquisition syndrome) sei Dank. Allerdings muss man sagen, dass trotz aller Vorteile der WAF (women acceptance factor) relativ niedrig ist. Ich dachte immer mit der Anschaffung eines NAS sind alle Probleme gelöst. Erst als ich wirklich vor der Anschaffung stand wurde mir bewusst, dass das nicht stimmt.

Zunächst einmal werden zwei Themen vermischt: Datenhandling und Backup. Unter Datenhandling verstehe ich in meinem Fall schlichtes Auslagern von Daten, die ich nicht auf der SSD im Macbook brauche. In meinem Fall ist es nicht viel mehr als das und noch ein paar Freigaben für die Freundin. Allerdings bin ich mir bewusst, dass mein Synology NAS durchaus mehr drauf hat (externe Freigabe etc.) Schön beschrieben an dieser Stelle bei Neunzehn72. Ich nutze nur sonst nur noch WordPress auf dem Mini-Server oder mal eine Freigabe per WLAN.

DiskstationZum Datenhandling: Ich schiebe die Daten per LAN auf das NAS, fein sortiert natürlich, Bildersammlungen sind einigermaßen entrümpelt. Ein Teil davon sind z. B. alte Aperture Mediatheken, 325GB. Oder geschmeidige 160 GB Videomaterial aus Australien. Sowas würde auf Dauer auch den Terrabyte Speicher meines Macbooks sprengen. Auf die Aperture Mediatheken kann ich ohne Probleme auch über das LAN zugreifen und nachträglich Bilder exportieren falls nötig.

Nun stellt sich die Frage: Wie sichert man diese Daten? Was ist, wenn der worst case eintritt, eine Festplatte verabschiedet sich in die ewigen Jagdgründe. Beim „alles gelöst“-Gedanken zum NAS ist es natürlich klar, dass mit einem RAID-System (in meinem Fall wären es zwei identische Festplatten gewesen, auf die die Dateien gespiegelt werden) alles gut ist. Ist es aber nicht in jedem Fall: Ja, die Festplatte werden gespiegelt, wenn eine defekt ist, sind die Daten auf der anderen Platte sicher gespeichert, man kann eine Platte tauschen und weiterarbeiten wie vorher. Aber was ist, wenn ich z. B. aus Versehen eine Datei lösche oder eine Mediathek aus welchen Gründen auch immer zerschieße? Dann spiegelt sich dieser Fehler auch unmittelbar auf die andere Festplatte und man hat ein Problem.

Deshalb wird mein NAS-Server einmal am Tag auf einer externen Festplatte gesichert. Auf dieDiskstation kann ich per LAN zugreifen und die Dateien im Zweifel direkt auf meinen Rechner laden. Die Backups des NAS werden als Kopien dargestellt, zeitlich geordnet, gleiche Ordnerstruktur wie auf dem NAS selbst. Schlussendlich habe ich mich auch deshalb nur für ein NAS entschieden in dem nur eine Festplatte verbaut ist. Ich habe einfach keinen Sinn darin gesehen noch eine dritte Festplatte im System zu betreiben.

Das eigentliche Backup des Rechners läuft entspannt und nahezu unbemerkt via Time-Machine. Es ist einfach zu bedienen, meine Erfahrungen sind gut und es läuft unbemerkt im Hintergrund. Alles supi! Das Backup vom Macbook meiner Freundin läuft auch auf das NAS, sehr praktisch, sorgenfrei und für sie vollkommen uninteressant. Einzig mit dem Drucker, der an den Server angeschlossen ist konnte ich ein paar Pluspunkte sammeln: Kabellos drucken von überall, ganz nett!

Wenn ich also von einem Shooting nach Hause komme werden die Bilder importiert. Bin ich sicher, dass alles kopiert ist starte ich das Time Machine Backup. Erst dann kann ich entspannen! Erst wenn ich die Bilder bearbeitet habe oder vielleicht auch erst vor dem nächsten Termin werden die Bilder auf der Speicherkarte gelöscht. Sind die Bilder nun schon lange übergeben habe ich vielleicht schon die Ausschuss gelöscht. Hin und wieder mache ich eine Aufräumaktion und verschiebe alte Daten auf das NAS, kann aber per Lightroom noch immer darauf zugreifen. D. h. auch, dass ich im Zweifel die Daten im Time-Machine-Backup und sogar noch auf dem NAS. Das TM-Backup wird somit auf Dauer sehr groß werden, weil alle Daten meistens den Weg über den Rechner finden. Aber selbst wenn Time-Machine anfängt alte Backups zu Löschen: (Aus)sortiert finde ich alles noch auf dem NAS im Archiv.

Ich hatte bisher keinen worst-case und war auf eine Wiederherstellung der Daten angewiesen. Was für ein Glück. Allerdings weiß ich, dass man auch Pech haben kann und Baba hat es ja eingangs auch geschrieben. Manch einer wird auch der Meinung sein, dass das Sicherheitslevel meiner Strategie nicht ausreicht. Immerhin: Wenn meine Wohnung abbrennt  ist alles futsch. Viele nutzen deshalb noch ein dezentrales Backup der Daten. Das funktioniert entweder über Wechselfestplatten, die an an einem anderen Ort aufbewahrt werden oder ein zweites NAS an einem anderen Ort, synchronisiert per LAN oder Internet. Ein zweites NAS kommt für mich erstmal nicht in Frage. Vielleicht betrachte ich die Wechselfestplatten irgendwann mal genauer. Aber ich fürchte, dass ich nicht die notwendige Disziplin aufbringen werde regelmäßig die Platten zu Tauschen und woanders zu lagern. Eine weitere Möglichkeit wäre da Backup in der Cloud. Das halte ich für unrealistisch, mein Upstream reicht niemals aus um z. B. die Rohdaten in vollem Umfang einer ganzen Hochzeitsreportage in einigermaßen vertretbarer Zeit in die Wolke zu laden. Das gleiche gilt dann auch für ein zweites NAS per Internet angebunden.

Was ist nun also die Quintessenz meiner Ausführungen. Zum einen ist mir wichtig zu betonen: RAID alleine ist kein Backup! Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Technik er sich anschaffen möchte um Backups zu erstellen und Daten langfristig zu lagern. Mir war auch wichtig, dass ich nicht viel unternehmen muss, alles sollte möglichst unauffällig im Hintergrund arbeiten. Die Varianten sind so manigfaltig, der Geldbeutel schnell stark belastet. Letztendlich entscheidet die eigene Paranoia vor einem Zwischenfall und dessen Umfang darüber wie weit man gehen möchte.

 

4 Gedanken zu „Meine Backupstrategie

  1. Lucie

    Hallo,
    sehr interessanter Artikel ! Vielleicht eine blöde Frage: wie ist die tägliche Sicherung NAS/externe FP eingerichtet ?
    Lieben Gruß Lucie

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    1. Matthias Beitragsautor

      Das läuft über das Betriebssystem des NAS und nennt sich „Time-Backup“. Einmal einrichten und nicht mehr dran denken.

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  2. Max

    Hallo,
    an sich eine super Strategie, allerdings würde ich es vorziehen, die Sicherungsplatte des NAS nicht die ganze Zeit über online zu haben. Etwas wahrscheinlicher als zB. ein Abbrennen der Wohnung ist unter Anderem eine Spannungsspitze, die alle Platten zerstören kann, wenn es blöd läuft. Per Hand anstöpseln, sichern und abziehen ist wohl noch ein etwas sicherer Weg. Wesentlich mehr Aufwand, aber eine bessere Sicherung :-)

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