Stil: Verzweifelt gesucht!

sinnsucheIn Wie alles begann ging es um den Weg, der mich zur Fotografie brachte. Als der Entschluss feststand das Ganze auf ein anderes Level zu heben, begab es sich, dass ich die Anna überreden konnte ein paar schöne Fotos von mir und meiner Freundin zu machen. Natürlich wusste sie von den Ideen, die in meinem Kopf herumschwirrten und wir sprachen auch darüber. Schlussendlich hatte sie den mühseligen Start bereits hinter sich gebracht und wusste demnach ganz gut darüber Bescheid. Aus meinem löchrigen Gedächtnisprotokoll sind mir folgende Fragen in Erinnerung geblieben: „Was willst du dann überhaupt fotografieren? Wenn du damit Geld verdienen möchtest, musst du dich fragen, wer für welche Bilder von dir Geld bezahlen soll. Und du brauchst etwas, das deine Bilder ausmacht, was für dich steht.“ Die paar Sätze beinhalten meines Erachtens jede Menge Futter, mit dem man sich beschäftigen muss. Bevor die Fotografie richtig Fahrt aufnahm hatte ich schon einige gute Bilder gemacht, mal im Urlaub, mal von der Nichte, mal auf einer Hochzeit oder einer anderen Party. Auch bei Folklore hatte ich sicher ein paar gute Bilder geschossen. Wenn man Geld mit Bildern verdienen will, braucht man entweder jemanden, der einen beauftragt Bilder zu machen oder jemanden, der vorhandene Bilder kaufen möchte. Stockfotos wären ein gutes Beispiel für Letzteres. Dieser Bereich ist mir aber etwas zu suspekt, wer weiß warum. Prints auf Leinwand o. Ä.? Klar, es sind sicher ein paar sehr ansehnliche Urlaubsfotos in den letzten Jahren entstanden, aber irgendwie fand ich die Idee auch nicht so doll.

Was denn nun? Und wie? Und überhaupt…

Ich dachte mir: Also wenn dann große und kleine Menschen vor die Kamera holen, ein paar Fotos machen und sich so nebenher etwas dazu verdienen. OK! Aber wie? Ich schaute mir die paar Bilder von Menschen an, die ich bisher produziert hatte und überlegte, was diese Bilder ausmacht. Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal? Nö! Gemeinsamkeiten? Fehlanzeige! Das lag schlicht und ergreifend daran, dass es „nur“ Schnappschüsse waren. Bisher… Meine Mutter sagte of: Deine Bilder wirken so natürlich. Kann man als Kompliment auffassen oder denken: Deine Bilder sind stinknormal. Ich begründete diesen Umstand auch damit, dass ich keine oder wenn nur wenig Nacharbeiten gemacht habe. Dann schaute ich mir viele, wirklich sehr viele Bilder von Menschen anderer Fotografen an und überlegte: Was macht deren Bilder aus? Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal? Warum sind die Bilder so, wie sie sind? Für mich wird ein Bild größtenteils durch 3 Faktoren bestimmt: Licht, Motiv und Komposition. Im Endeffekt könnte man auch alles unter Komposition zusammenfassen, aber ohne Fachliteratur gelesen zu haben sehe ich das als eigenen Punkt. Wie möchte ich also diese drei Faktoren für mich auslegen? Licht: Setups mit mindestens 3 (Studio-)Blitzen? Ja… schön! Aber sind das die Bilder, die ich erstellen möchte und kann (ohne eigenes Studio)? Sind das Bilder, die Leute, die für meine Bilder bezahlen erwarten? sinnsuche (1)Ich denke eher: Nein! Wenige der Bilder, die ich früher erstellt habe, sind mit Blitz entstanden und wenn dann schön Vollautomatik-Modus, was zu eher mittelguten Ergebnissen geführt hat. „On Location“ habe ich bisher nie geblitzt. Wenn geblitzt wurde, dann bei „Studio-Bildern“, also klassischen Portraits vor einfarbiger Wand. Beim Thema Licht würde ich aber nicht nur unterscheiden zwischen Sonnen- und Blitzlicht. Licht ist schlicht und ergreifend die wichtigste Zutat der Fotografie und wenn man damit umgehen kann, ist das ein großer Schritt hin zu immer besseren Bildern (Was für mich im Umkehrschluss hieß: Hier hast du Nachholbedarf!) Welches Motiv? Klar: Menschen! Aber Bilder von Menschen sind nicht immer gleich. Man schaue sich nur mal das Bild von Svea weiter unten an, das mir netterweise die Lexa zur Verfügung gestellt hat und das Bild von Jan weiter oben aus einem meinem ersten Shooting – Schon ist man bei der Komposition. Man stelle sich nun vor die Lexa hätte auch den Jan fotografiert und das Bild stünde neben dem Bild von Svea auf ihrer Seite (oder auf meiner). Passt nicht zusammen, oder? Deshalb bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich möglichst natürlich schöne Bilder von Menschen machen möchte. Das soll keinesfalls heißen, dass ich Fashion-Fotos nicht gut finde (Sonst wäre ich mit meiner Freundin ja nicht in Lexas Hallen aufgeschlagen). Es ist eher die Frage, was möchte und was kann ich überhaupt? Und leider habe ich einfach nicht genug Platz für umfangreicheLvR_LvR_IMG_6429 Blitzsetups. Außerdem war bei dem Bild die Make-up und Haar-Künstlerin Claudia Plath am Werk. Noch habe ich keinen festen Kontakt zu einer guten Visagistin, was auch ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Wenn ich gefragt werde „Was soll ich denn für das Shooting anziehen?“ Antwort ich: „Was dir selbst am besten gefällt und worin du dich wohlfühlst.“ Bei Make-Up rate ich den Damen sich nicht zu übertrieben zu schminken und für die Herren der Schöpfung habe ich farblosen Puder parat, damit sie nicht zu sehr glänzen. D. h. ich möchte ganz bewusst in einem natürlichen und einfachen Stil fotografieren und bin mir bewusst dabei, dass die Bilder eben kein absoluten Mega-Eyecatcher sind. Ich denke aber, dass sich so auch potenzielle Kunden am ehesten wiederfinden (Verrate ich hier etwa ein Betriebsgeheimnis?). Wenn man meine Bilder sieht, soll man denken: „Ja, solche Bilder könnte es auch von mir geben.“ Bei Babies oder Kleinkindern ist es mir wichtig eher wie ein Reporter zu agieren, also Geschehnisse festzuhalten und keine Babies in Blumentöpfe zu stecken.

Stil geht über die Bilder hinaus

Aber Stil geht für mich noch weiter. Natürlich, zeitnahe Lieferung nach dem Shooting ist eine Selbstverständlichkeit genauso wie freundlicher Umgang etc. pp. Aber was liefern? Ich habe viele Seiten von Fotografen gesehen und mir deren Angebote angeschaut. Immer wieder bin ich auf Angebote gestoßen, die sowohl zeitlich beschränkt sind, als auch eine bestimmte Menge an Bildern vorgeben. Nach meinem Empfinden standen diese beiden Faktoren oft nicht im ausgewogenen Verhältnis. Bei einem Shooting von z. B. Einer Stunde ist nur ein Bild inbegriffen? Manchmal werden alle Bilder des Shootings in eine Online-Gallerie geladen und der Kunde kann sich eine gewisse Anzahl an Bildern aussuchen, die bearbeitet werden. Ganz ehrlich: Finde ich doof! Ich kenne den Effekt, den die Bilder beim Portratierten beim ersten Blick auslösen und denke, durch diesen Zwischenschritt wird das zerstört. Das Fragwürdigste, das mir über den Weg gelaufen ist, ist die Bezahlung für die digitalen Dateien nach Auflösung. Ja! Je höher die Auflösung des digitalen Bildes sein soll, desto tiefer muss der Kunde in die Tasche greifen. Dabei reden wir hier über einen Klick in der Software. Der Anbieter hat keinerlei höhere Kosten, dem Kunden das Bild in voller Auflösung bereit zu stellen. Für mich ein Relikt aus der analogen Zeit. Genausowenig kann ich es verstehen, wenn ich höre, dass jemand alle Bilder aus einem Shooting bekommt. Und damit sind wirklich ALLE Bilder gemeint. Wenn der Protagonist gerade einen doofen Gesichtsausdruck hatte, ein Auge war geschlossen oder sonstwas stimmt nicht: Alles wird auf die DVD gepackt und so hat der Kunde dann unzählige Bilder vom gleichen Motiv. Ganz nebenbei steht das natürlich im Kontrast zu der Aussage, dass Nachbearbeitung Zeit braucht… Jedes Bild kann dann gar nicht individuell bearbeitet sein, wenn es mehrere 100 sind. Ich fotografiere bei einem Shooting mehrere Motive. Die unterscheiden sich natürlich vor allem durch die Location und die Pose des Models. Meistens wird einmal kurz Kleidung gewechselt oder die Jacke an- bzw. ausgezogen. Das wars! Von jedem Motiv ist hoffentlich ein gutes Bild dabei, das ich bearbeite und in voller Auflösung zur Verfügung stelle. Dabei muss ich hinzufügen: Ich mache keine Photoshop-Arien bis in die letzte Pore, d. h. auch die Zeit der Nachbearbeitung hält sich in Grenzen. Je nach Location, Zeit und Lust des Models variiert die Anzahl der Bilder, die bei einem Shooting rumkommen somit. Bisher hat das noch nie Probleme gegeben. Und selbst wenn: Es ist kein Problem alle Bilder des Shootings online zu stellen und so zu zeigen: Großartig anders sind die anderen auch nicht.

Ist der Stil nun gefunden und ich fotografiere nun so weiter? Sicher nicht! Die Suche nimmt kein Ende, mit jedem Bild entwickelt man sich weiter! Sicher habe ich Lust auch mal aufwändigere Setups in einem Studio zu fotografieren (dazu gibt es sogar eine ganz konkrete Idee in meinem Kopf). Aber zunächst einmal bleibt es bei natürlich schönen Bilder von großen und kleinen Menschen. Alles Weitere zeigt die Zeit.

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