Über „Kriegsmüde“

Ich habe auf junked.de versucht Emotionen in Worte zu fassen. Die Bilder zum Beitrag habe ich selbst gemacht, hier möchte ich darüber berichten, wie sie entstanden sind.

Grobe Gedanken zu dem Blogpsost schwirrten schon seit geraumer Zeit in meinem Kopf. Ein wenig Überwindung und ich habe den Text abgetippt. Ein Beitrag braucht Bilder, das ist klar. Aber welche Bilder sollten zu diesem krassen und schwermütigen Thema passen? Sicher nicht genau die Bilder, über die ich mich aufrege. Zumal ich garnicht wüsste, wie ich an solche Bilder legal und kostenneutral kommen könnte. Fragt nicht wann und wie, aber irgendwie gefiel mir der Gedanke „Duplo-Figuren mit medizinischem Gerät und Blut“.

Karton voll Figuren :-)

Nun gut, also brauchte ich Duplo-Figuren. Wie schon im Blogpost über meine Ausrüstung  geschrieben mag ich lokale Händler und so schaute ich in den Spielzeugladen, in dem ich schon als Kind mit leuchtenden Augen die Regale umkreiste. Uff, ganz schön heftig, was die Figürchen so kosten. Zumal die meisten nicht zu meiner Zufriedenheit waren. Eine einzelne Familie gibt es außerdem gar nicht so einfach zu kaufen und ein Haus wollte ich nicht gleich haben. Also eBay-Kleinanzeigen durchforstet, preislich schon besser und auch einzelne Figuren. Teilweise erhielt ich keine Antwort auf meine Anfrage, teilweise waren die Figuren schon weg oder oder oder, wieder erfolglos. Der Kleinanzeigenmarkt im Intranet meines Arbeitgebers war schon oft eine gute Quelle für das ein oder andere Schnäppchen. Also schaltete ich eine Suchanzeige nach Duplofiguren. Ein paar Tage später stand ein Karton auf meinem Schreibtisch und eine E-Mail war in meinem Postfach: Die Figuren würden nicht mehr benötigt und ich könnte einfach an eine Einrichtung meiner Wahl spenden. Suuuper! Ich mag den Gedanken sehr, spendete natürlich und habe mich gefreut wie ein Kind. Zwischenzeitlich hatte ich eine Familie an die Tochter eines Freundes zurückgegeben, weil sie sie vermisste und ich mit dem Rest nicht in die Puschen kam.

Medizinisches Gerät musste her, die nächste Hürde die es zu nehmen galt. Zum Glück habe ich eine gute Quelle für solches Zeug. Also gefragt: „Ich bräuchte ein bissl medizinisches Gerät, eine Spritze, eine Klemme vielleicht, eigentlich möglichst viel, was man in der Unfallmedizin braucht.“ Da ich selbst überzeugt war, dass es eindringliche, gute Bilder werden, war mir nicht bewusst, dass die Frage etwas komisch ist, wenn ein fotografierender BWLer nach Gerätschaften aus der Unfallmedizin fragt. „Brauch ich für ein paar Fotos, mehr will ich nicht verraten.“ Eine gute Woche später hatte ich eine Tüte mir allerlei Kram in der Hand. Teils super, teils nicht brauchbar. Das Filmblut habe ich zwischenzeitlich im Internet bestellt, mit irgendwelchen Hausrezepten wollte ich micht nicht rumärgern, wenn das Ergebnis doch nicht so wird, wie gewünscht. Nun also nur noch zum Schreibwarenladen und Pappen gekauft, für den Hintergrund und als Unterlage.

Eines dunklen, regnerischen Herbstabends fasste ich mir ein Herz und legte los. Die Figuren hatte ich schon einige Zeit vorher gesichtet und meine Liebslingsprotagonisten ausgesucht. Ich wollte zunächst mit dem 70-300mm Objektiv Fotografieren, keine Ahnung wieso, aber es war eine dumme Idee. Die Kamera stand viel zu weit weg, der Weg war unnötig lang und das Gewicht von Linse und Body machte meinem 08/15-Stativ zu schaffen. Also wechselte ich auf die 50mm Festbrennweite. Besser. Die ersten Testshoots machte ich ohne Blut (siehe Bild links, ohne Nachbearbeitung) und es war eine kmmoverdammte Arbeit bis die Schatten so fielen, dass es mir gefällt und auf auf dem Bildausschnit zu sehen sind. Der Bildausschnitt musste natürlich so gewählt werden, dass der Hintergrund drauf ist. Ja, das kann man auch später per Photoshop richten, ich wüsste aber auf Anhieb nicht wie und denke es ist einfach besser das von vornherein zu berücksichtigen. Also es war eine Menge Gefummel. Alle Utensilien mussten ins Bild passen, die Schatten so fallen, dass ich es cool fand, wie stelle ich die Figuren etc. pp. Ich habe mir sogar die Reihenfolge der Bilder überlegt, um nicht mit einem großen Blutfleck zu starten, der dann in anderen Bildern nicht passt. Als das Setup erstmal stand gingen die eigentlichen Bilder ziemlich schnell. Am Rechner dachte ich mir dann „Du Idiot!“ Warum? Weil ich die Figuren besser hätte wechseln müssen. Das habe ich natürlich bei den letzten Motiven gemerkt, aber am Rechner sieht man deutlich, weil man ein Motiv nach dem Anderen sieht, dass das nicht ideal war. Wieder was gelernt: Nächstes Mal mache ich für sowas eine richtige Checkliste. Und nächstes Mal mache ich mehr „making-of“ Bilder.

Ursprünglich dachte ich an 8 Motive. Keine Ahnung warum. Es sind 5 geworden. Das lag zum einen an mangelndem Gerät. Deshalb war ich auch spontan und habe die Hausapotheke geplündert. Zeug hatte ich eine Menge, aber für mich muss es auch passen. Und irgendein Teil, dass eher in Altenheimen zu finden ist, möchte ich dann nicht als Motiv. Ich hätte aber auch keine 8 Bilder gebraucht. In den Artikel haben es vier Bilder geschafft. Gegen 19 Uhr hatte ich angefangen und war irgendwann nach Mitternacht schlussendlich fertig. Ja, Profis machen das schneller, haben wohl einfach mehr Platz und finden schneller das perfekte Ergebnis. Sollte ich mal wieder so kleines Stillleben machen, geht es sicher schneller.

Was zählt ist das Ergebnis und mit dem bin ich zufrieden. Text und Bilder finde ich gelungen und dem Thema angemessen. Gleichzeitig mein wahrscheinlich vorerst letzter Beitrag für junked.de, schade aber ich kann mich nicht zweiteilen. Aber man sieht sich ja immer zweimal und sagt niemals nie. Ich hoffe ich habe mit Text und Bild Augen geöffnet und zum Nachdenken angeregt. Der Vollständigkeit halber hier nochmal der Link und die Bilder in groß:

Kriegsmüde

karton 2 karton 3 karton 4 Kriegsmüde

 

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