Vorher – Nachher / Was am Rechner passiert.

overview_apertureWar es auf einem Workshop, in einem Podcast? Ich weiß es nicht mehr, wo ich den Spruch aufgeschnappt habe: „Ich habe zwar eine teure Kamera, aber irgendwie kommen da nicht die Bilder raus, die ich haben will.“ Ob der Preis der Kamera über die Qualität der Fotos entscheidet blende ich für heute mal aus. Ich entgegne dem Spruch: „Die Bilder kommen auch nicht aus der Kamera, sondern aus dem Rechner!“ Nun lässt sich dem wiederum Entgegensetzen: „Die Bilder sind doch eh alle bearbeitet!“ Ja, sind sie! Da ich nahezu ausschließlich im RAW-Format fotografiere müssen sie auch nachbearbeitet werden. Im RAW-Format stehen sämtliche Bildinformationen zur Verfügung, eine Datei aus meiner 7D ist locker 25 Megabyte groß. Das bietet deutlich mehr Spielraum, als in einer JPEG-Datei, bei der man im Grunde die Nachbearbeitung der Kamera überlässt. Außerdem muss man sich vor Auge halten, dass es durchaus unterschiedliche Grade der Nachbearbeitung gibt. Bei meinen natürlichen Fotos übertreibe ich es an dieser Stelle sicher nicht. Es werden keine Falten retuschiert, keine Popos verändert oder sonst was. Ich möchte aus den Leuten vor der Kamera keine Vogue-Cover-Models machen (kann ich auch nicht, dafür reichen meine Photoshop-Skills einfach nicht), sondern möchte schlichte, schöne Bilder der Protagonisten. Um die Bilder zu optimieren schraube ich an Definition, Kontrast, Helligkeit, schärfe selektiv nach, helle bestimmte Partien auf oder ab und betätige einige andere Regler in der Software. Welche Auswirkungen das hat möchte ich hier zeigen.

Wir sehen hier mein Lieblingsmodel :-) Bildaufbau, Licht und Location gefallen mir sehr gut. Das erste Bild kommt direkt aus der Kamera: Flau, kein Kontrast, unspektakulär, RAW eben.

Freya

Und so kommt es dann aus dem Rechner: Die Haut hat eine schöne Farbe, der Lippenstift ist dezent aber erkennbar und die Struktur des Oberteils kommt schön zur Geltung. Dann habe ich noch eine Haarsträhne wegretuschiert, die im oberen Bild aus der Backe kam und versucht den hellen Punkt im Hintergrund möglichst unscheinbar erscheinen zu lassen. Schon hat man ein richtig, richtig schönes Bild!Freya

Hier haben wir auch ein Bild, das mir в sehr gefällt. Entstanden ist es beim Idstein24-Mountainbikerennen. Am ersten Tag war der Fahrer noch fit und willig auf ein kleines, spontanes Shooting. Am zweiten Tag hätte ich sicher keine Chance gehabt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man am zweiten Tag einfach keinen Bock auf Nix hat und das Ding nur noch zu Ende fahren will. Bike und Kleidung haben einfach super Farben. Und dann noch der Helm in der gleichen Farbe vom Mountainbike: Knaller. Und wo fahren wir Mountainbiker? In der Natur! Also habe ich Volker am Rande der Zeltstadt vor Grün gestellt und abgedrückt. Erste Aufnahme ist wieder das Original (übrigens noch mit meiner alten 450D, 5 Jahre alte Kameras können also auch noch Einiges!). Wie schon oben: Flau, der Wald hat keine Tiefe und dem Bildausschnitt fehlt der letzte Kick.Volker 2

So wird ein Schuh draus: Höherer Kontrast, der Wald ist grün und mit knalligen Klamotten und Bike hebt sich der Fahrer sehr gut von der Natur ab. Dem Rad habe ich selektiv noch etwas mehr Farbe verpasst. Dazu den Bildausschnitt nur leicht verändert und die rote Lampe vom Helm retuschiert. Meines Erachtens lenken so kleine Punkte o. Ä. immer unheimlich ab und stören einfach. So gefällt mir das Bild sehr!Volker

Hier ein Bild von meinem letzten Paddy-Gig, das meines Erachtens wunderbar die Vorteile des RAW-Formates zeigt. An dem Tag lief an und für sich alles super: Parkplatz gefunden, pünktlich gewesen, Paddy war gut drauf, der Laden war nicht komplett überfüllt, ich konnte mir gute Plätze zum Knipsen raussuchen und hatte einen guten Ort an dem ich meinen Rucksack ablegen konnte. Doch dann ging es los: Paddy wollte gerade starten, da dämmte der Wirt das Licht und schaltete einen orangenen und roten Scheinwerfer an. Wie man an der Aufnahme sehen kann: Grausames, gruseliges Licht!

Paddy 2 (1)

Aber ich blieb dennoch entspannt, checkte nochmal, ob ich wirklich im RAW-Format aufnahm und legte los. Das RAW-Format hat den unglaublich guten Vorteil, dass man den Weißabgleich später am Rechner vornehmen kann. Komisches Licht, das die Bilder kaputt macht gehört somit der Vergangenheit an. Bei dem folgenden Bild habe ich wirklich nur nachträglich beim Weißabgleich auf „Auto“ geklickt und schon kommt eine Aufnahme heraus, an der ich zwar noch schrauben muss, die ich aber definitiv verwenden kann. Hätte ich in JPEG fotografiert, wären alle Bilder nur Rot gewesen.Paddy

 

Zum Schluss noch Etwas aus dem privaten Urlaubsalbum: Ich liebe dieses Bild vom Prater in Wien. Viel musste ich zum Glück nicht mehr machen. Es war allerdings vorher etwas Wartezeit gefordert, bis möglichst wenig Leute durchs Bild laufen und ich den richtigen Bildausschnitt gefunden hatte. Außerdem war es etwas verzwickt das ganze ohne Stativ hinzukriegen. An der Stelle ein großes Lob an mein Tamron 17-50 2,8, das mich in diesen Situationen noch nie im Stich gelassen hat, Bildstabilisation sei Dank! Wien 2

Beachtenswert ist hier vor Fería allem der Schriftzug über dem Eingang: Im Original flau und schwer lesbar. Unten deutlich besser und schärfer. Darüber hinaus kommen die Farben besser hervor. Beim verändern des Bildausschnittes habe ich dieses Mal nicht das original Seitenverhältnis gewählt. Ich wollte in jedem Fall die Lampe links draußen haben und etwas vom Platz im Vordergrund wegschneiden. So habe ich einfach frei zugeschnitten. Gefährlich: Wenn ich mir das Bild mal auf Fotopapier entwickeln lasse oder sonst irgendwie an die Wand hängen möchte muss das dringend beachtet werden, denn nur wenige Lieferanten können freie Formate entwickeln. Ansonsten muss ich weiße Ränder vom Foto abschneiden, was kein Problem ist. Aber z. B. ein Foto hinter Acryglas kann man nicht gerade mal so zurecht sägen.
Wien 1

Man sieht hoffentlich: Ich möchte nicht die Aussage eines Bildes verändern oder ein mittelgutes Bild besser machen. Wenn Ausdruck des Models, Location, Licht o. Ä. nicht stimmen versuche ich nie da noch am Rechner etwas herauszureißen. Es sei denn es Knipser-Glück, ist ein unglaublich wichtiges Bild, wie z. B. bei einer Hochzeit. Aber wenn die äußeren Umstände stimmen möchte ich schlicht und ergreifend das Optimum herausholen.

Für einen späteren Blogpost möchte ich mal die JPGs der Kamera mit den RAWs und meinem Endprodukt vergleichen. Ich muss nur mal daran denken auch wieder zusätzlich in JPEG zu fotografieren :-)

 

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